Beinwell bei Sehnenscheidenentzündung und Verstauchungen Verfasst am: 28.01.2009, 18:11
Symphytum officinale L. Familie der Rauhblattgewächse - Boraginaceae
HEILWIRKUNG
Der früheste uns bekannte Bericht über die wunderbare Heilkraft des Beinwells stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Dioskurides, ein berühmter Militärarzt, lobt diese Pflanze in seiner „ De Materia Medica Libri«. Und er mußte es ja wissen, denn er hatte wohl hauptsächlich mit, der Heilung von Wunden, Verletzungen und Knochenbrüchen zu tun. Und dies sind nach unserer heutigen Überzeugung die gebräuchlichsten Wirkungsgebiete des Beinwells, der, nachdem er einige Zeit vergessen war, eine Renaissance erlebt. Mit einem Glas Beinwellsalbe und einer Schachtel Beinwellpulver in der Hausapotheke ist man für so viele Notfälle gerüstet, die hier aufzuzählen mir schier unmöglich ist.
Wir können den Beinwell also bei allen Erkrankungen des Knochensystems anwenden: Verletzungen der Knochenhaut und des Knochengewebes, Kniegelenksentzündungen, Knochenbrüchen. Auch die Sehnen und Bänder werden durch Beinwell gestärkt und geheilt. Er hilft bei Sehnenscheidenentzündung, Verstauchungen, Überdehnungen. Die Heilung von Wunden wird beschleunigt durch den Abtransport abgestorbenen Gewebes und Flüssigkeit und durch die Anregung des Wundwachstums.
Daraus leiten sich weitere Anwendungen ab: Wunden, Unterschenkelgeschwüre, Nagelbettentzündungen, Geschwüre, Venenentzündungen, Narbenschmerzen, verhärtete, schlecht heilende Narben, Schmerzen nach Amputationen, Frostbeulen, Blutergüsse. Wie wird der Beinwell bei all diesen Krankheiten angewendet? Es hat sich gezeigt, daß eine gleichzeitige innerliche wie äußerliche Anwendung am günstigsten den Heilungsprozeß beeinflußt. Zu allen beschriebenen äußerlichen Anwendungen sollten wir den Beinwell innerlich als Tinktur, Pulver oder Tee einnehmen. Von der Tinktur gibt man 3 x 25-30 Tropfen, vom Tee 3 x 1 Tasse aus Blättern oder Wurzeln.
Am stärksten wirkt nach meiner Erfahrung das Pulver. Zur Beschleunigung der Heilung von großen Wunden, Unterschenkelgeschwüren, Knochenbrüchen, nach Amputationen und Operationen verabreiche ich 3 x 1 Teelöffel des Pulvers. (Wer dieses klebrige Pulver schlecht schlucken kann, sollte es leicht anfeuchten und mit Tee oder mit Honig zu kleinen Kugeln formen. Auch in feuchte Obladenstückchen gewickelt rutscht es leichter.) Eine Beinwellsalbe wird aufgetragen bei Wunden, Narbenschmerzen, Phantomschmerzen, Nagelbettentzündungen, Fußpilz, Fersenriß, Sehnenscheidenentzündung.
Bei Kniegelenksbeschwerden, Blutergüssen, Unterschenkelgeschwüren, Gicht, Arthrose und Venenentzündung macht man einen Umschlag mit Beinwellpulver in heißem Wasser gelöst. Am besten ist der frische Brei aus der zerstampften Wurzel. Sie wird ausgegraben, gereinigt und zerstoßen, auf ein Tuch gestrichen und aufgelegt. Je nach Bedarf einige Zeit oder über Nacht wirken lassen. Das trockene, aus der getrockneten Wurzel gemahlene Pulver wird mit heißem Wasser gut durchgerührt, bis es einen steifen, schleimigen Brei ergibt. Auf ein Tuch streichen und über die betreffende Körperstelle legen, über Nacht einwirken lassen. Beinwell beruhigt und stärkt die Schleimhäute, läßt Entzündungen abklingen.
Er ist deshalb ein gutes Heilmittel bei Magen- Darmerkrankungen wie Magen-Darmgeschwüren, Enteritis, Gastritis, bei Sodbrennen und zuviel Magensäure. Hierfür wird er innerlich eingenommen als Pulver oder als Blättertee (nur Comfrey). Bei Zahnfleischerkrankungen und Parodontose spült oder pinselt man mit dem Tee aus der Wurzel oder der Tinktur (1:1 mischen mit Blutwurztinktur). Wundkräuter im Vergleich Beinwell regeneriert das Gewebe, heilt Blutergüsse besonders dort, wo der Knochen direkt unter der Haut liegt, Knochenerkrankungen, hemmt bösartiges Zellwachstum, heilt stumpfe Verletzungen mit Gewebeverlust; einsetzen dort, wo Arnika zu scharf ist und Allergien erzeugt, auch bei älteren Wunden.
Verarbeitung
Zur Herstellung von Salbe, Pulver, Tee usw. können wir die Wurzeln vom Beinwell wie vom Comfrey verwenden. Comfrey enthält etwas mehr Allantoin. Im zeitigen Frühjahr und späten Herbst, wenn die Kräfte der Pflanze wieder in die Wurzel zurückgezogen sind, ist ihr Allantoingehalt am höchsten. Dann ist die beste Zeit, sie auszugraben. Man braucht dazu einen kräftigen Spaten, denn sie ist groß und bohrt sich tief in die Erde. Der obere Teil ist stark verzweigt. Die Wurzelrinde ist dunkelbraun bis schwarz, das Innere weißlich-gelb und sehr schleimig. Nachdem man die Wurzel sorgfältig ausgegraben hat (einen Wurzelsteckling übriglassen und wieder eingraben), wird sie sauber gewaschen und in kleine Stücke geschnitten.
Man breitet sie auf einem Tuch aus und trocknet sie an der prallen Sonne. Normalerweise sollte man dies mit Heilpflanzen nicht tun, sie können Stoffe dadurch verlieren. Die Beinwellwurzel ist jedoch so schleim- und wasserreich, daß sie nicht richtig getrocknet sehr leicht schimmelt. Bei bedecktem Wetter auf ein Backblech streuen und auf die Zentralheizung stellen oder im Backofen leicht antrocknen. Man kann die Wurzel auch in Scheiben schneiden, auf einen Faden auffädeln und zum Trocknen aufhängen. Die getrockneten Wurzelstücke vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahren. Zum Tee kocht man davon 1 Teelöffel mit 1 Tasse Wasser auf. Für Pulver werden die Wurzelstücke im Mörser oder in der Kaffeemaschine fein gemahlen. `
Kosmetik
Beinwell beruhigt und heilt empfindliche, entzündete Haut. Für eine Maske tragen wir frischen, ausgepreßten Beinwell- Blättersaft auf die Haut auf und lassen ihn 15 Minuten einwirken. Als Massageöl verarbeitet ergibt der Beinwell ein Pflegemittel, um die Durchblutung der Haut anzuregen und sie zu festigen. Beinwell-Bad ist eine Wohltat für den ganzen Körper.
Es riecht etwas erdig, aber man kann es durch Zusatz von ätherischen Ölen etwas verfeinern. Beinwellsalbe bei Schwangerschaftsstreifen und Narben zweimal täglich einmassieren.
ANBAU
Der Anbau von Beinwell und Comfrey erfordert einen tiefgründigen Boden, da die Wurzeln tief in die Erde dringen. Ein feuchter Boden wäre ideal, aber nicht notwendig. Zwischen den Pflanzen ca. 1 m Abstand halten, da sie viel Platz brauchen. Beinwell (alle Arten) kann man das ganze Jahr über pflanzen, solange der Boden offen ist. Beinwell ist eine mehrjährige Pflanze, sie wird durch Wurzelstecklinge vermehrt. Man steckt die Stecklinge ca. 5 cm in den Boden, und schon bald schauen die ersten Blätter aus der Erde heraus. Bei wenig Niederschlag sollten die Stecklinge die erste Zeit täglich gegossen werden. Ich dünge meine Pflanzen mit Kompost und einer Gabe Gesteinsmehl im Herbst.
Die Blätter des Comfrey können mehrmals jährlich geschnitten werden. Wenn man den Blütenstiel entfernt, wird der Blattwuchs noch gefördert. Nach jedem Schnitt treibt der Comfrey neue Wurzelblätter. Der Beinwell bildet gleich einen neuen Stengel. Die Pflanzen bilden bald große Wurzelstöcke, die man teilen kann, um neue Stecklinge zu setzen. Da Beinwell sehr viele Mineralien enthält, ist er eine gute Dünge- und Kompostpflanze, die das Wachstum der Pflanzen im Garten fördert und den Boden mit Mineralien anreichert. Da er außerdem reichlich Kali enthält, ist er besonders als Düngepflanze für Kartoffeln geeignet.
Man mulcht das Feld im Herbst mit Beinwellblättern und gibt beim Pflanzen der Kartoffeln getrocknete Blätter ins Pflanzloch. Mit einer Beinwell-Jauche düngt man Gemüsepflanzen, vor allem Tomaten. Dafür füllt man ein großes Gefäß (nicht Metall, sondern Holz, Plastik, Stein) mit Regenwasser und gibt einige Handvoll Beinwell- oder noch besser Comfreyblätter dazu. Einige Zeit gären lassen und verdünnt zum Gießen verwenden. Diese Jauche eignet sich sehr gut zum Begießen des Komposthaufens, da, sie die Verrottungsvorgänge beschleunigt.
TIERHEILKUNDE
Beinwell eignet sich sehr gut zur Behandlung von Tieren. Die Salbe sollte in keiner Stallapotheke fehlen. Sie hilft bei Wunden, Entzündungen, Verstauchungen, Euterentzündungen usw. Allen Tieren kann man ins Futter öfters frische, zerschnittene oder getrocknete zerriebene Comfreyblätter mischen. Sie gedeihen dadurch besser. Beinwellpulver aus der Wurzel und aus den Blättern des Comfrey machen das Fell von Hund und Katze schön und glänzend. Man rührt davon öfters einen Teelöffel unter das Futter.
VERWENDUNG IN DER KÜCHE
Die jungen Blätter, besonders die des Comfrey, ergeben ein gutes Gemüse. Sie werden kleingeschnitten und in Butter angebraten. Etwas Gemüsebrühe zufügen und weichkochen. Mit saurer Sahne, Zitrone und Gewürzen verfeinern. Die Blätter können weichgekocht und durchpassiert wie Spinat zubereitet werden. In Pfannkuchenteig ausgebacken, schmecken die jungen Blätter sehr lecker. Eventuell mehrere ganze Blätter zusammendrücken, in Teig eintauchen und ausbacken. _________________