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brigitte


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Beifuss wirkt entkampfend
Verfasst am: 23.01.2009, 14:36

Artemisia vulgaris L. Familie der Korbblütler - Asteraceae (Compositae)



HEILWIRKUNG

Das einst so bekannte Heilkraut Beifuß ist fast ganz in Vergessenheit geraten. Nur in der Homöopathie spielt er noch eine bescheidene Rolle. Ich kann das kaum verstehen, denn meiner eigenen Erfahrung entsprechend ist der Beifuß ein sehr wirksames und zuverlässiges Heilmittel. Wie bei vielen anderen Heilpflanzen ist bei dem Beifuß eine richtige Dosierung und Anwendungsart für den Erfolg der Behandlung ausschlaggebend. Er kann bei Überdosierung unangenehme Nebenerscheinungen hervorrufen. Man führt dies auf den Gehalt des in seinem ätherischen Öl enthaltenen Cineol zurück.

Außerdem darf der Beifuß nicht bei akut fieberhaften Erkrankungen verwendet werden, und Schwangere sollten lieber auf den Beifuß verzichten, der Beifuß wurde früher zur Abtreibung gebraucht. Er ist ein Emmenagogum, d. h. ein Mittel, das die Monatsblutung fördert. So hilft er bei ausbleibender und zu schwacher Monatsblutung. Die Monatsblutung hat für den weiblichen Körper eine reinigende, ausgleichende Funktion.

Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen ausbleibender, schwacher Menses und psychischen Störungen. Deshalb ist es wichtig, auf eine regelmäßige Menses zu achten. Weitere regelfördernde Mittel sind: Rosmarin, Rosmarinus officinalis (Tee, Wein), Mönchspfeffer, Agnus castus, (als homöopathische Urtinktur aus der Apotheke, 3 x 15 Tropfen), Weinraute, Ruta graveolens (Tee, Gewürz), Frauenmantel, Alchemilla vulgaris (Tee), Kamille, Chamomilla recutita (Tee), Ringelblume, Calendula officinalis (Tee), Eisenkraut, Verbena officinalis (Tee), Safran und Zimt (Gewürz).

Der Beifuß wirkt gleichzeitig entkrampfend auf die weiblichen Unterleibsorgane. Deshalb wird er wie das Gänsefingerkraut bei schmerzhafter Regel verwendet. Eine Teekur mit diesen beiden Pflanzen sollte mit Beifuß-Fußbädern und -Sitzbädern unterstützt werden. Bei zu schwacher wie bei schmerzhafter Regel wird- der Beifuß innerlich als Tee 3 x 1 Tasse oder Tinktur 3 x 5 Tropfen und äußerlich als Fuß- oder Sitzbad verwendet.

Besonders hilfreich ist der Beifuß bei allen Erkrankungen der Unterleibsorgane, die durch Kälte entstanden sind. Bei zu schwacher, schmerzhafter Regel nach Verkühlung, bei chronischem Blasenkatarrh, Ausfluß, ständig kalten Lenden schenkt uns der Beifuß seine wohltuende Wärme. Die meisten Krankheiten der weiblichen Unterleibsorgane sind vom „ Symptom der kalten Füße“ begleitet. Und bevor die kalten Füße nicht behandelt worden sind und weniger oft auftreten oder endlich immer warm und gut durchblutet sind, sind alle anderen Mittel „ für die Katz«.

Über diese reflektorische Verbindung zwischen Unterleibsorganen und Füßen kann man starken Einfluß nehmen. Als Grundlage für eine Behandlung von oben genannten Krankheiten wie auch von chronischer Eierstockentzündung und zu schwacher Funktion der Eierstöcke empfehle ich Beifuß-Fußbäder, am besten jeden Abend vor dem Schlafengehen. Einmal die Woche außerdem eine Dampfbähung (siehe Schachtelhalm). Beifuß wird immer gleichzeitig innerlich und äußerlich angewendet. Als Tee, Wein, Pulver, Tinktur, Fußbad oder Sitzbad. Beifuß regt die Wehentätigkeit an und wurde deshalb früher von den Hebammen vor der, Geburt als Tee verwendet.

Außerdem fördert er den Abgang der Nachgeburt durch Anregung der Nachgeburtswehen und wurde der Mutter nach der Geburt gereicht. Nach einer anstrengenden Wanderung oder nach einem langen Tag auf den Beinen entspannt und kräftigt ein Fußbad mit Beifuß die müden Beine. Er hilft auch bei Muskelkater, kräftigt und stärkt schwache Glieder. Hierfür kann man zur Einreibung auch die Tinktur verwenden. Der Beifuß hat eine allgemein beruhigende Wirkung auf das Zentralnervensystem, so ist es verständlich, daß man ihn früher oft verwendet hat als Basismittel bei Krankheiten, die mit Verkrampfungen - körperlich wie seelisch (was kaum voneinander zu trennen ist) - verbunden sind.

Dieses Basismittel war oft das mit getrocknetem Beifußkraut gefüllte Kopfkissen des Patienten. Es wirkt fein die ganze Nacht hindurch, beruhigt die Nerven, fördert den Schlaf. Doch man hat sich nicht nur bei „ harmloser« Schlafstörung auf den Beifuß verlassen, sondern auch bei so schwerer Nervenstörung wie der Epilepsie. Diese Anwendung läßt sich sehr weit zurückverfolgen. In neuerer Zeit sind uns Erfahrungsberichte von Dr. Schulz und Dr. Bohn zugänglich. Dr. Bohn nennt in seinem Buch „ Heilwerte heimischer Pflanzen« seine erprobte Anwendung des Beifußes bei Epilepsie. Wenn der Kranke den Anfall nahen fühlt, soll er einen Teelöffel frisch gepulverter Beifußwurzel in einer Tasse heißem Malzkaffee einnehmen, sich anschließend ins Bett legen, warm einpacken und schwitzen. Falls dies vor dem Anfall nicht möglich war, soll der Patient diese Anwendung nach dem Anfall machen. Am 3. und 6. Tag soll diese Prozedur wiederholt werden. Die Dosierung für eine `Behandlung über längere Zeit: 3mal täglich eine kleine Messerspitze der frisch gepulverten Wurzel. Was hat der Beifuß mit einer fetten Gans zu tun? Er hilft uns, damit wir sie besser verdauen können.

Er ist ein traditionelles Gewürz für den Gansbraten und fettes Fleisch. Und nicht zu Unrecht, denn er regt die Verdauungsdrüsen an. Außerdem stärkt er den Magen, wirkt appetitanregend und hilft bei Blähungen. Hierfür kann man ihn als Gewürz, als Wein und Tee verwenden. Aus der fernöstlichen Medizin haben wir noch eine weitere Methode gelernt, wie wir die wohltuende Kraft des Beifußes auf unseren Körper wirken lassen können.

In der chinesischen Medizin werden die feinen Haare der dortigen Beifußpflanze, Moxakraut genannt, getrocknet und zu Kegeln oder Stäbchen gepreßt. Diese werden angezündet und glimmen lange. Sie verbreiten einen angenehmen Duft. Hierbei setzt man sie auf den der Krankheit entsprechenden Akupunkturpunkt, wo sie den Punkt und den Meridian mit ihrer ganz eigenen Wärme beeinflussen. Bevor der Kegel abgebrannt ist, wird er natürlich entfernt.

VERWENDUNG IN DER KÜCHE

Beifuß fehlte früher an keinem fetten Gericht und schon gar nicht am Gänsebraten. Er hatte, wie alle traditionellen Gewürze, eine wichtige Funktion; er half dem Magen, das Essen besser zu verdauen. Und diese Hilfe brauchen wir bei fettem Essen besonders. Als Gewürz können wir den Beifuß frisch oder getrocknet verwenden. Wir gebrauchen nur die obersten Blütenrispen, gerade bevor sie aufgegangen sind. Außerdem paßt der Beifuß gut zu Kartoffelsuppe, Bohnensuppe, Kohlgerichten, Saucen, Fleisch, Fisch und Pilzen.

ANBAU

Beifuß wird eine ca. 150 cm hohe Staude. Er liebt kalkhaltige Erde, Sand, Kies und Lehmböden. Samen und Pflanzen sind im Handel erhältlich. Wir säen von April bis Juni in Schalen. Nicht abdecken, sondern nur andrücken, der Beifuß ist ein Lichtkeimer. Die Samen keimen nach ca. 1 Woche. Pikieren, im Abstand von 30-40 cm pflanzen. Ältere Pflanzen kann man leicht teilen. Beifuß sät sich schnell selbst aus, schon im nächsten Jahr, nachdem man einen Beifuß im Garten gepflanzt hat, gibt es überall um die Mutterpflanze viele kleine Beifußpflänzchen.
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Tags: homöopathie, anwendung, tee, wirkung, tinktur, dosierung

 
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